Bali Reiseführer -> Barong Tanzdrama

Theater und Tanz sind wichtige Bestandteile der balinesischen Kultur und balinesische Tänze sind zu Recht in der ganzen Welt berühmt. Tanz wird auf Bali sehr ernstgenommen und Hochzeiten, Geburtstage oder Tempelfeste verstreichen selten, ohne daß zumindest ein Tanz oder Tanzdrama aufgeführt wird - der Tanz ist dort allerdings Bestandteil des religiösen Rituals und wird in der Regel nur für Balinesen aufgeführt. Die kommerziellen Aufführungen, die fast jeden Tag irgendwo auf Bali vor Touristen stattfinden, haben natürlich keine religiöse Bedeutung und unterscheiden sich in der Atmosphäre sehr deutlich von solchen, die im Kontext eines richigen Tempelfestes stattfinden.

Legong Dancers
Legong - Tänzerinnen

Wenn zum Beispiel der Barong-Tanz (eine bessere Bezeichnung wäre vielleicht Tanzdrama) im Rahmen einer Tempelzeremonie aufgeführt wird, handelt es sich um eine Art tänzerisches Exorzismus-Ritual. Thema des  Barong-Tanzdramas ist die Wiederherstellung der Balance zwischen Gut und Böse, das Ringen um den Ausgleich zwischen den Dualitäten des Lebens, und der Kampf zwischen Ordnung und Chaos. Auf der Tanzbühne von Kesiman oder Batubulan dagegen gleich das Barong-Drama mehr einem farbenfrohen musikalischen Lustspiel (mit deutlichen Slapstick-Einlagen). Trotzdem sind auch diese Vorführungen sehenswert und Sie sollten es nicht versäumen, sich während Ihres Aufenthalts auf Bali eine 
anzusehen.
 
 

Student of the Witch
Die Hexenschülerin bezirzt die königlichen Minister (im Hintergrund: Prinz Sadewa)

Der thematische Hintergrund des Barong-Spiels ist folgender:

Dem abschließenden Kampf zwischen dem Barong (Gut) und Rangda (Böse) geht ein Drama voran, das Calornarang heißt. Calonorang war der Legende nach eine Königin, die sich dem Bösen ergeben hatte und schwarze Magie praktizierte. In einigen Versionen der Geschichte tötete sie ihren königlichen Ehemann, indem sie mit der linken Hand auf ihn zeigte, anderen Versionen zufolge hat er sie einfach verlassen, weil er ihrer Ränke überdrüssig war.  Auf jeden Fall verwandelt sie sich in eine fürchterliche Leyal (Hexenungeheuer) und ist von nun an als die Witwe (Rangda) bekannt.
Vor dem eigentlichen Spiel werden stets ein paar kurze Bühnenszenen dargeboten, die keinen Zusammenhang mit der Haupthandlung haben und in denen lediglich der gute Charakter der Barong dargestellt wird; danach tanzen zwei Mädchen einen Legong,einen sehr komplizierten und abstrakten Tanz, der von einem Gamelan-Orchester begleitet wird.
 

Kaleka als  Eber greift die Minister an

 Die Handlung des Barong-Spiels ist bei jeder Aufführung gleich: ein junger Prinz, Sadewa, soll einer bösen Hexe geopfert werden, und seine Mutter, die Königin, und Diener und Minister des königlichen Haushaltes beratschlagen, wie sie das verhindern können. Kaleka, eine Schülerin der Hexe kommt aber hinzu und spricht einen Fluch aus, der bewirkt, daß alle den jungen Prinzen seinem Schicksal überlassen und er zum  Opferplatz geführt und dort an einen Baum gebunden wird.


Rangda attackiert den nunmehr unsterblichen Prinzen Sadewa.
Der Minister schaut entsetzt zu

Dort aber nimmt sich der Gott Schiwa, als Priester verkleidet, seiner an und macht ihn unsterblich. Als Kaleka  dies merkt, verwandelt sie sich erst in einen Eber, dann in einen Riesenvogel und schließlich in das furchtbare Ungeheuer Rangda, die Verkörperung allen Übels. Um sie bekämpfen zu können, verwandelt sich Sadew in den Barong (eine Art stilisierter Löwe), der die guten Mächte repräsentiert. Rangda und der Barong sind jedoch gleich stark und keiner der beiden kann siegen. Um dennoch die Überhand gewinnen zu können, ruft der Barong die Kris-Tänzer, seine Anhänger.


Rangda verzaubert die Kris-Tänzer

Rangda jedoch verzaubert die Tänzer zuerst, so daß sie ihre Dolche (kris, keris) gegen sich selbst richten und tot hinfallen (bei Aufführungen im Rahmen von Tempelfesten verfallen die Tänzer wirklich in Trance und verletzen sich selbst, ohne Schmerz zu empfinden, aber davon kann bei einer kommerziellen Aufführung natürlich nicht die Rede sein). Da betritt der Barong wieder die Bühne, hebt den Fluch auf und erlöst seine Anhänger. In der Schlußszene des Tanzdramas betritt ein weißgekleideter Priester die Bühne und besprengt alle mit geweihtem Wasser.

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Zuletzt geändert 10.01.2005